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Amüsant:
Rezension „Victor / Victoria" in Stuttgart

„Soll was genial sein, muss es banal sein" meint Nachtclubsänger Caroll Todd, genannt Toddy. Seine Idee: Um endlich wieder ein Engagement zu ergattern, soll sich die arbeitslose Sängerin Victoria Grant als Graf Victor Grazinski ausgeben, einen in Paris völlig unbekannten, in seiner polnischen Heimat aber höchst erfolgreichen Travestiekünstler. Eine Frau, die einen Mann spielt, der eine Frau spielt? Victoria ist skeptisch. Aber die Täuschung ist perfekt und schon ihr erster Auftritt wird zum durchschlagenden Erfolg. Als Graf Victor genießt sie fortan das Leben als „Schwarm von Paris". Das geht solange gut, bis der coole Gangsterboss King Marchan in ihr Leben tritt, der sich zu seinem hellen Entsetzen von Victor angezogen fühlt.

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Charakterstudie:
Rezension „Sunset Boulevard" in Pforzheim

sunset 0110086, Sunset Boulevard: eine richtig gute Adresse. Zumindest auf den ersten Blick.

Doch sieht man genauer hin, wirkt alles verlassen: Efeu überwuchert die Fassade, ein Isotta Fraschini steht abgedeckt in der Garage. Zufällig gerät der erfolg- und mittellose Drehbuchautor Joe Gillis auf dieses Anwesen, auf dem Stummfilmdiva Norma Desmond residiert. Verzweifelt hält sie an den alten Zeiten fest, lebt in Erinnerung an ihre Glanzrollen und glaubt, dass eine treue Fangemeinde auf ihr Comeback wartet.

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Eher blutarm:
Rezension „Dracula" in Röttingen

 „In" wie eh und je und jetzt auch draußen angekommen: Graf Dracula und sein Gefolge saugen Blut bei den Frankenfestspielen in Röttingen. Der Künstlerische Leiter Sascha Oliver Bauer inszeniert zum 30-jährigen Bestehen der jüngst umbenannten Spielstätte die erste deutsche Freilichtaufführung des Wildhorn-Musicals „Dracula". Womöglich finden sich die Vampire und ihre Jäger in den ungewohnten Gefilden noch nicht richtig zurecht, denn in Röttingen gerät die Umsetzung trotz guter Einfälle und bekannter Namen in der Darstellerriege in weiten Teilen recht blass und blutarm.

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Die Geschichte um den faszinierenden Untoten, der echte Gefühle für Mina Murray entwickelt und schließlich durch ihre Hand die ersehnte Erlösung findet, verbindet sich mit Frank Wildhorns eingängigen Melodien zu einem Musical voller Spannung und Energie. In Röttingen wird - abgesehen von „Nebel und Nacht" und „Die Einladung" - die poetisch anmutende, neue Übersetzung verwendet, die Herwig Thelen 2007 für die Grazer Aufführung erarbeitet hat. Zusammen mit dem romantischen Ambiente im kleinen Burghof der Burg Brattenstein eigentlich beste Voraussetzungen.

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Mörderisch gut:
Rezension „Sweeney Todd" in Ettlingen

Heiß und lecker, frisch aus dem Backofen. Pasteten, gefüllt mit Huhn oder Rind. Oder Katze. Oder mit Ingredienzien, die Mrs. Lovett aus gutem Grund vor den Gästen in ihrem Pastetenladen geheim hält. Das Publikum ist jedoch dank der moritatenähnlichen Rückblenden im Mörder-Musical „Sweeney Todd" von Beginn an im Bilde, wird zum Mitwisser und schwankt fortan zwischen Mitleid und Schadenfreude, zwischen Grausen und Gelächter. Bei den Ettlinger Schlossfestspielen entfaltet das Werk von Stephen Sondheim (Musik und Liedtexte) und Hugh Wheeler (Buch) unter Regie von Udo Schürmer seine ganze unheilvolle Faszination und überzeugt mit brillanten Darstellern und perfekter musikalischer Umsetzung.

sweeneytodd05England im 19. Jahrhundert: Der nach außen hin ehrfurchtgebietende Richter Turpin ist in Wahrheit ein übler Bursche.

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Ein Muss:
Rezension „Show Boat" in Bad Hersfeld

Flirrende Hitze. Die Luft so drückend, dass man kaum atmen kann. Unbarmherzig brennt die Sonne auf... nein, nicht auf die Baumwollfelder am Mississippi. Obwohl man am Premierenabend in Bad Hersfeld nicht nur wegen des subtropischen Klimas denken könnte, der „Old Man River" fließe gleich hinter der Stiftsruine vorbei. Unter der Regie von Melissa King zeigt die grandiose Cast eine packende Umsetzung des Musicalklassikers „Show Boat".

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Nichts von ihrer Aktualität verloren haben die Themen, die Jerome Kern (Musik) und Oscar Hammerstein II (Buch und Liedtexte) schon im Jahr 1927 in „Show Boat" verarbeiten: Es geht um Willkür und Rassendiskriminierung, gescheiterte Beziehungen und den teils ernüchternden Blick hinter die Kulissen des Showgeschäfts. Aber es geht auch um Hoffnung, Freundschaft und große Gefühle.

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Novum mit Potenzial:
Rezension „Die Legende des ...liebes Rot-Flüh" in Haldensee

Ein sagenumwobener Berg, ein junger Held, große Träume - und ein Hotel. Daraus konzipierten Marc Gremm (Produktionsleitung) und Janet Chvatal (Buch und Regie) das ungewöhnliche Musicalprojekt „Die Legende des ...liebes Rot-Flüh", das künstlerischen Anspruch mit werblichen Zwecken verbinden möchte. Kann das funktionieren?

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Schauplatz ist Tirol. Der Legende nach wacht ein gerechter Berggeist über das Tannheimer Tal. Er ist es, der die zerstrittenen, boshaften Schwestern als Buße für ihre Charakterlosigkeit verwandelt: die blinde Bea in eine Nixe, die rothaarige Lea in einen Drachen, der auf dem Berg Rote Flüh einen Goldschatz bewacht, den - jetzt kommt die Realität ins Spiel - der junge Bruno Huber dem Ungeheuer entreißt. Mit dem Gold kann er nicht nur seine angebetete Renate heiraten, sondern mit ihr gemeinsam sein Schloss, also das Hotel ...liebes Rot-Flüh, errichten. Nach Brunos frühem Tod führen Renate und später Tochter Sonja das Hotel weiter. Im Lauf der Jahre bauen sie den einfachen Gasthof zum heutigen 5-Sterne-Hotel aus, das nun also sogar mit einem eigenen, knapp einstündigen Musical aufwarten kann.

Dabei gibt es weder Bühne noch Bühnenbild.

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Bizarre Märchenwelt:
Rezension „Alice" in Karlsruhe

alice 01„Kopf ab!". So lautet die ungewöhnliche Begrüßung beim Betreten des Kleinen Saals im Badischen Staatstheater Karlsruhe beim Musical „Alice". Inmitten der Betriebsamkeit von rund 300 Besuchern auf der Suche nach der richtigen Reihe, ertönt wiederholt auch die freundliche Frage „Wie wär's mit einem Ei?". Schließlich nimmt man im Zuschauerraum vier Personen wahr, die ihre Gesichter hinter großen Masken verbergen und offensichtlich diese obskuren Worte von sich geben. Auf der Bühne nehmen derweil vier Altar-Boys in einer Art Schuluniform mit weißen Kniestrümpfen vor einer Spiegelwand verschiedene Positionen ein. Links blinken Leuchtbuchstaben, an der Decke baumelt ein Metallbett. Und schon befindet man sich noch vor dem eigentlichen Beginn inmitten der verwirrenden Welt von Alice, die sich ihren Weg durchs Wunderland bahnt.

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Sensationeller Blutrausch:
Rezension "Dracula" in Pforzheim

Transsylvanien ist nicht England – aber Pforzheim kommt dem geheimnisumwitterten Landstrich, in dem der mysteriöse Graf Dracula sein Unwesen treibt, schon sehr nahe. Im ausverkauften Theater Pforzheim erlebten rund 500 Besucher die Silvesterpremiere von Frank Wildhorns Musical „Dracula" und feierten die grandiosen Akteure mit minutenlangen stehenden Ovationen.

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Beste Unterhaltung:
Rezension „Kiss me, Kate“ in Stuttgart

An sich eine unmissverständliche Aufforderung: „Kiss me, Kate". Das Käthchen jedoch ist wie gewohnt widerspenstig bis zum Schluss, dann erst darf sich das Publikum im Alten Schauspielhaus in Stuttgart über das Happy-End freuen.

Schon beim Betreten des Theaters fühlt sich der Besucher ins Ford Theatre versetzt. Ein Vorhang kündigt ‚The Taming of the Shrew' mit Lilli Vanessi als Katharina unter der Regie von Fred Graham an, dessen Konterfei verblüffend gut karikiert und als Hauptdarsteller Adrian Becker erkennbar ist. Auch der unvermeidliche Hinweis auf das Fotografierverbot ist ganz auf Baltimore abgestimmt. So wird das Stuttgarter Publikum gleichsam Teil des Stücks im Stück, was in diesem kleinen, fast intimen Theatersaal hervorragend funktioniert.

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In der musikalischen Komödie von Samuel und Bella Spewack mit der Musik und den Liedtexten von Cole Porter, führt Fred Grahams Theatergruppe „Der Widerspenstigen Zähmung" auf. Fred übernimmt selbst die Hauptrolle und gibt den Petruchio. Außerdem hat er sowohl Exfrau Lilli als renitentes Käthchen, als auch seine aktuelle Flamme Lois Lane als deren brave Schwester Bianca engagiert. Obwohl inzwischen anderweitig liiert, scheinen da noch Gefühle zu sein.

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Empfehlenswert mit Abstrichen:
Rezension „Aida" in Ettlingen

Ganz einfach ist es nicht, sich vom verregneten Ettlingen im Juli des Jahres 2012 unter die heiße Sonne Ägyptens in die Zeit der Pharaonen zu denken. Liegt es daran, dass es der Ettlinger "Aida"-Produktion erst im Lauf des zweiten Aktes gelingt, die Handlung atmosphärisch zu verdichten und Stimmung aufkommen zu lassen? Im Ettlinger Schlosshof erleben die Zuschauer eine Inszenierung mit Licht- und Schattenseiten.

aida 02Helden, große Gefühle und eine Liebe ohne Chance. Basierend auf Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper haben Elton John (Musik) und Tim Rice (Liedtexte) ein Musical geschaffen, dessen Stoff eigentlich der Garant für einen spannenden Abend ist:

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Lohnenswert:
Rezension „Joseph" in Leinfelden-Echterdingen

Nicht immer braucht es die große Bühne, um großartiges Musical zu machen. Was die ambitionierten Laiendarsteller im Theater unter den Kuppeln in Leinfelden-Echterdingen in der aktuellen „Joseph"-Inszenierung auf die Bühne bringen ist so gut, dass die Akteure den Vergleich mit so manch professioneller Produktion nicht zu scheuen brauchen.

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Den ernsten Kern des Musicals „Joseph" – die Geschichte um Missgunst, Verrat und Verzeihen, basierend auf der Josephs-Erzählung aus dem Alten Testament – verpacken Andrew Lloyd Webber (Musik) und Tim Rice (Text) in ein fast durchkomponiertes temporeiches Werk, in dem sich bissig-ironische Texte mit einfühlsamen Balladen abwechseln. Von Anfang an springt der Funke über und die Besucher im Theater unter den Kuppeln lauschen ebenso fasziniert wie auf der Bühne die Schulkinder, denen die Erzählerin die eigentliche Geschichte vorträgt:

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Zeitreise in die 1950er:
Rezension „Blue Jeans" in Stuttgart

Aus den rebellischen Teenies der 1950er Jahre sind Großeltern geworden, doch der Liebe zu Blue Jeans tut das keinen Abbruch. Wobei inzwischen weniger das heute salonfähige Kleidungsstück als die spritzige Inszenierung dieser musikalischen 50er-Jahre-Revue von Jürg Burth und Ulf Dietrich im Alten Schauspielhaus Stuttgart für Begeisterung bei Jung und Alt sorgt.

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Frank, Sohn des Baustadtrates Karsuntke und seiner Ehefrau Hannelore, soll Lisa, Tochter des Unternehmerehepaares Neumann zum Altar führen. Jedenfalls ist das Wunsch und Wille der ehrgeizigen Väter, die sich nur zu gerne an den offensichtlichen Vorteilen einer solch standesgemäßen Verbindung erfreuen möchten. Der Plan scheint perfekt – bis der blau behoste Automechaniker Tom der hübschen Lisa den Kopf verdreht. Und dann weicht auch noch Frank vom Pfad der Tugend ab.

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