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Träume aus Licht:
Rezension „Sunset Boulevard“ in Ettlingen

Ein toter Schimpanse, der betrauert wird, als wäre das eigene Kind gestorben. Längst vergessene Stummfilme flimmern über die Leinwand und ein wortkarger Butler schreitet auf leisen Sohlen durch die Gänge. Ziemlich unheimlich scheint die Stimmung in der alten Villa, dabei ist es eigentlich ganz einfach:

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Was geschah nach Jesu‘ Tod?
Rezension „Maria Magdalena“ in Hallenberg

Dezember 1945, Nag Hammadi: Ein schwarzer Mercedes fährt an einer Ausgrabungsstätte vor. Weiß gekleidete Arbeiter graben unter der heißen Sonne Ägyptens. Ein irdenes Gefäß wird gefunden, uralte Papyrusrollen darin. Ungläubiges Staunen, als der Gelehrte daraus vorliest: „Und die Gefährtin des Erlösers ist Maria Magdalena. Er liebte sie mehr als alle Jünger und küsste sie oft auf den…“. Just im Moment, als der Text abbricht, geht die Rahmenhandlung nahtlos, fast wie eine filmische Überblendung, in die eigentliche Geschichte über.

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Fantasie verleiht Flügel:
Rezension „Peter Pan“ in Klingenberg

Tinker Bell braucht Peter Pan gar nicht vorzustellen. „Ich hab‘ den schon ganz oft gesehen“. „Ich auch, ich auch“. Die kleinen Besucher sind vor Aufregung ganz aus dem Häuschen und vom ersten Moment an voll dabei. „Peter Pan“, das neue Familienmusical von Franck Thomczyk (Libretto) und Larissa Schories (Musik), das bei den Clingenburg Festspielen seine Uraufführung feiert, kann man aber auch als Erwachsener mit viel Freude anschauen.

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Mehr von jedem Stern:
Rezension „Lotte“ in Wetzlar

„Kann ich denn nicht beide lieben? Wenn sie mir nur beide blieben“ klagt Lotte kurz vor dem tragischen Ende der Dreiecksbeziehung zwischen ihr, Albert und Werther. Durch ihre Unentschlossenheit lädt Lotte Schuld auf sich - und das im Vergleich zur Romanvorlage veränderte Ende des Musicals „Lotte“ kann im Hinblick darauf schlüssig interpretiert werden.

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Morbider Charme:
Rezension „The Addams Family“ in Leinfelden

„Definiere normal“ fordert Grandma. Gar nicht so leicht und oft nur eine Frage des Standpunktes. Denn „was für die Spinne völlig normal ist, ist für die Fliege eine Katastrophe“.

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Ich bedaure nichts:
Rezension "Piaf" in Stuttgart

„Non, je ne regrette rien“, so singt Edith Piaf 1960, als sie bereits von einem unheilbaren Krebsleiden gezeichnet ist. Dabei hätte es in einem Leben mit unzähligen Männergeschichten und Drogenskandalen für eine weniger starke Persönlichkeit vielleicht doch das eine oder andere zu bedauern gegeben. Nicht so die Piaf.

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Dramatische Verwicklungen im Mietshaus:
Rezension „Street Scene“ in Pforzheim

Es dauert eine Weile, bis man das Beziehungsgeflecht der zahlreichen Personen durchschaut, die sich auf der Pforzheimer „Street Scene“ ein Stelldichein geben. Denn da tummeln sich außer den Mitgliedern der sechs Familien, die im Mietshaus in einem ärmlichen New Yorker Stadtviertel leben, noch weitere Hausbewohner, Freunde, zufällig vorbeikommende Passanten und sehnsüchtig erwartete Besucher.

street scene pforzheim 06Das Alltagsleben in dieser ziemlich tristen Umgebung thematisiert „Street Scene“ auf Basis von Elmer Rice’s gleichnamigem Schauspiel aus dem Jahre 1929. Die Uraufführung mit den Liedtexten von Langston Hughes und der Musik von Kurt Weill fand erst 1947 in New York statt. Weill, der 1935 auf der Flucht vor den Nazis in die USA emigrierte, wollte eine neue Form des eigenständigen amerikanischen Musiktheaters schaffen. So kombiniert „Street Scene“, heute noch als „amerikanische Oper“ auf den Spielplänen geführt, Elemente der europäischen Oper mit Anklängen an Broadway-Musical und Operette.

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Klassiker gelungen inszeniert:
Rezension „West Side Story“ in Pforzheim

Nicht wie bei Shakespeare Romeo und Julia, sondern Tony und Maria heißen die Liebenden in der „West Side Story“. Statt rivalisierender Familien im Verona des späten 16. Jahrhunderts tragen im Musical von Leonard Bernstein (Musik), Stephen Sondheim (Liedtexte) und Arthur Laurents (Buch) verfeindete Jugendbanden im New York der 1950er-Jahre die Verantwortung für die dramatischen Verwicklungen, die zur Tragödie führen.

westsidestory pforzheim 05Uraufgeführt 1957 im New Yorker Winter Garden, hat die „West Side Story“ weltweit ihren festen Platz auf den Spielplänen inne. Im Theater Pforzheim inszeniert Intendant Thomas Münstermann eine Fassung, die vor allem im Zusammenspiel von Guido Markowitz‘ sensibel modernisierter Choreographie mit der natürlichen Darstellkunst eines jungen, bis in die kleinsten Rollen typ- und altersgerecht besetzten Ensembles überzeugt.

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Musiktheater par excellence:
Rezension „Jesus Christ Superstar“ Tour / München

Die großen Themen der Menschheit verlieren niemals an Eindringlichkeit. Als die „größte Geschichte, die je erzählt wurde“ bezeichnen Komponist Andrew Lloyd Webber und Autor Tim Rice die biblische Darstellung des Lebens- und Leidenswegs Christi, dessen letzte sieben Tage sie in ihrem Musical „Jesus Christ Superstar“ aus Judas‘ Sicht erzählen. In unzähligen Spielstätten stand die komplett durchkomponierte Rockoper seit ihrer Uraufführung 1971 auf dem Programm, unzählige Besucher haben die unterschiedlichsten Umsetzungen erlebt.

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BB Promotion präsentiert die offiziell autorisierte Neuinszenierung von Produzent Bill Kenwright und Regisseur Bob Tomson in Deutschland, als bisher letzter Tourstation am Deutschen Theater in München. Wer kann, sollte sich noch ganz schnell auf den Weg machen, denn was man dort erlebt, ist Musiktheater par excellence.

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Schicksalsmomente:
Rezension „Fate & Failure“ in Ettlingen

Das Schicksal. In welchem Maß kann man es beeinflussen? Und an welchem Punkt endet die Macht der eigenen Entscheidungen? Diese Fragen lässt Autor und Komponist Johannes Günther die Personen in seinem Musical „Fate & Failure“ durchleben. Mit einem Ensemble fast ausschließlich aus Laien und semiprofessionellen Darstellern bringt Günther eine dramatische Geschichte auf die Bühne der Ettlinger Stadthalle.

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Im Jahr 1835 lebt Jonathan mit seinen Freunden Megan und Andrew in einem Londoner Waisenhaus. Er wird von einem wohlhabenden Ehepaar adoptiert, das um seinetwillen den leiblichen Sohn Cedric vernachlässigt.

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Ganz großes Kino:
Rezension „Ghost" in Frankfurt

„Dito" sagt Sam. Und treibt Molly damit schier zur Verzweiflung. Denn obwohl sie weiß, wie sehr er sie liebt, ersehnt sie die drei kleinen Worte, die Sam einfach nicht über die Lippen bringt. Letztlich aber wird das Wörtchen „dito" zu einer Liebeserklärung, die ergreifender kaum sein könnte.

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„Ghost – The Musical" von Glen Ballard und Dave Stewart (Musik und Texte) sowie Bruce Joel Rubin (Buch und Texte) wurde 2011 in Manchester uraufgeführt und fand alsbald den Weg ins Londoner West End. Die variantenreiche Musik ist szenisch passend gewählt und reicht von Uptempo-Songs über Balladen bis hin zu Gospel und Soul.

Die Handlung folgt dem gleichnamigen Kinostreifen aus dem Jahre 1990, der mit Whoopi Goldberg, Demi Moore und dem viel zu früh verstorbenen Patrick Swayze in den Hauptrollen zum oskargekrönten Kultfilm avancierte, den vermutlich jeder kennt:

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Schwarz-Weiß:
Rezension „Chess" in Pforzheim

Es ist die Zeit des Kalten Krieges. Kapitalismus und Kommunismus, Ost und West prallen aufeinander. Die „Chess"-Autoren - bestens bekannt als musikalische Köpfe der schwedischen Kultband Abba - Benny Andersson (Musik) und Björn Ulvaeus (Musik und Liedtexte), sowie Tim Rice (Buch und Liedtexte), lassen den weltpolitischen Konflikt auf dem Schachbrett weiterbrodeln:

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Bei der Schachweltmeisterschaft in Meran will der US-Amerikaner Frederick Trumper seinen Titel gegen den Russen Anatoly Sergievsky verteidigen. Trumper provoziert einen Eklat. Seine Freundin, die Exilungarin Florence Vassy, verliebt sich bei einem Vermittlungsversuch in Sergievsky. Dieser gewinnt das Match und verlässt ihr zuliebe seine Heimat, um künftig für die USA anzutreten. Trumper arbeitet fortan als Kommentator. Ein Jahr später treffen bei der Weltmeisterschaft in Bangkok alle wieder aufeinander.

Genauso schwarz-weiß wie die Schachfiguren zeichnet Regisseur Wolf Widder die Kontrahenten Trumper und Sergievsky, da kommt kein Vorurteil zu kurz.

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