Bad Hersfeld 2023: „Jesus Christ Superstar“ - das Musical in Wort und Bild
20.07.2023 - Musical „Jesus Christ Superstar“ - Bad Hersfeld - Stiftsruine - Andreas Bongard - Tim Al-Windawe - Sidonie Smith - Frank Winkels - Rob Pelzer
Neben der Rezension haben wir aus Bad Hersfeld auch Fotos von Stefan Hubers gelungener „Jesus Christ Superstar“-Inszenierung mitgebracht. Unsere Wort-und-Bild-Galerie gibt einen Einblick, aber nichts kann das Live-Erlebnis ersetzen. Absolute Empfehlung für den Sommer 2023. Viel Spaß beim Anschauen - online und live!

November 2021: Papst Franziskus hält im Petersdom eine Messe vor Jugendlichen. Er ermutigt sie, „Baumeister inmitten von Trümmern zu sein, fähig zu träumen“. Viele Träume der jungen Menschen entsprächen den Träumen Jesu für die Menschheit. Diese Szene stellt Regisseur Stefan Huber vor den eigentlichen Beginn des Musicals. Doch von „Geschwisterlichkeit, Solidarität, Gerechtigkeit, Frieden“ ist die Welt und auch die Geistlichkeit weit entfernt. Kirchenaustritte und Skandale statt Glaube, Liebe und Hoffnung. Doch wie nahm das Christentum seinen Anfang? Blättern wir in der Bibel - oder - gehen wir in der Bad Hersfelder Stiftsruine mit dem Webber/Rice-Musical „Jesus Christ Superstar“ zurück, bis ungefähr in das Jahr 33 n.Chr, in das Land Judäa…

Jesus von Nazareth (Andreas Bongard) hat eine Menge Anhänger um sich geschart. Er predigt von der Liebe Gottes zu allen Menschen. Man sagt, er könne Wunder wirken und Kranke heilen. Doch in all‘ der fröhlichen Glückseligkeit erhebt sich eine kritische Stimme:

Judas (Tim Al-Windawe) ist der Überzeugung, dass der Starkult um Jesus überhand nimmt und die eigentliche Botschaft dadurch in den Hintergrund gedrängt wird. Er erinnert Jesus an die Anfänge: „Ja ich weiß noch, wie das alles begann. Nicht Gottes Sohn, nein, Du warst nur ein Mann.“ Judas fürchtet, dass die Verehrung ins Gegenteil umschlagen könnte, wenn Jesus die hohen Erwartungen nicht erfüllt.

Aber niemand aus dem Gefolge hat ein Ohr für Judas. Auch Jesus selbst will sich nicht mit ihm befassen.

So wird Judas noch deutlicher: „Jesus, kannst Du meine Warnung versteh’n? Unser Volk, das soll doch weiter besteh’n“.

Aber es wird weiter getanzt…

…und gepredigt.

Judas ist zutiefst verzweifelt und wütend. Warum nur will Jesus nicht auf ihn hören? Seine Bewunderung für ihn ist ungebrochen, aber er ist sich sicher, dass es zur Katastrophe kommt, wenn sich nichts ändert.

Etwas verunsichert ist die Menge nun aber doch: „Was ist los? Was wird mit uns gescheh’n?“ Und wann geht es endlich los nach Jerusalem? Jesus reagiert genervt auf die ganze Fragerei: „Denkt erst morgen an das Morgen. Schaut dem Heute ins Gesicht.“

Nur Maria Magdalena (Sidonie Smith) scheint Jesus zu verstehen.

Sie kümmert sich um ihn und versucht, ihm in all‘ dem Trubel etwas Ruhe und Frieden zu schenken.

Das ruft aber wiederum Judas auf den Plan: Er kann einfach nicht verstehen, dass Jesus seine Zeit mit „einer Frau wie der“ vertut und es auch noch zulässt, dass sie ihn mit teurer Myrrhe salbt, anstatt das Geld den Armen zu geben. Jesus verteidigt Maria und beharrt auf ihrer Anwesenheit.

Maria Magdalena versucht, die Wogen zu glätten. Sie geht auf Judas zu und will auch ihn mit der wohltuenden Salbe beruhigen. Judas aber wehrt sie ab.

Über all‘ den Meinungsverschiedenheiten ist die Nacht hereingebrochen. „Mach Dir keine Sorgen, denk nicht mehr an morgen. Nur für ein paar Stunden“ singt Maria Magdalena und Jesus schläft in ihren Armen ein.

Unterdessen trifft sich der Hohe Rat unter Vorsitz von Hohepriester Kaiaphas (Matthias Graf, mittig mit der Tora) und berät Mittel und Wege, Jesus Einhalt zu gebieten. Sie werfen Jesus Gotteslästerung vor und fürchten außerdem, dass die herrschenden Römer durchgreifen, wenn sie weiterhin zulassen, dass Jesus als „König“ verehrt wird. Kaiaphas beschwört Jesus, er möge seinen Anhängern Einhalt gebieten: „Sag' dem Pöbel, er soll still sein, weil den Kampf doch keiner will. Das Volk ist laut, ist viel zu laut.“ Annas (Holden Madagame, 2. von links) und die anderen Priester (Max Best, Joop Leiwakabessy, Lemuel Pitts) schaukeln sich gegenseitig hoch. Während im Hintergrund Jesus mit seiner Schar kurz vor Jerusalem steht, beschließen sie: „Der Jesus muss weg!“.

Jesus und seine Anhänger ziehen in Jerusalem ein, begeistert empfangen und bejubelt von den Bewohnern der Stadt. Die einen glauben an ihn als den Messias, die anderen hoffen einfach nur, dass er einen Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht anführen wird.

„Hosanna Heysanna Sanna Sanna Ho…”

Jesus geht nicht auf die Anweisung der Priester ein, im Gegenteil: „Was Ihr auch sagt, es hat keinen Sinn. Nichts bringt diesen Jubel zum Erliegen.“ Die Stimmung ist euphorisch.

Forderungen werden laut: Wenn es doch schon mehr als 50.000 sind, die mit Jesus ziehen, kann man dann nicht endlich gegen die Römer aufbegehren?

Simon Zelotes (Ngako Keuni) versucht, Jesus davon zu überzeugen, den Aufstand anzuführen.

Doch Jesus reagiert nicht wie erhofft.

Niemand, so sagt er, würde verstehen, was Macht eigentlich bedeute.

Und inmitten all des Getöses wird Jesus leise, nachdenklich, traurig: „Ahntest du nur, was ich weiß, mein Jerusalem, du würdest wissen, was die Wahrheit bringt, doch du stellst dich blind.“

Naht schon das Ende?

Pontius Pilatus (Frank Josef Winkels), der römische Stadthalter von Judäa, hatte einen Alptraum, der ihn nicht mehr loslässt: Ein Galiläer, der gepeinigt wurde, um den Tausende weinen und laute Stimmen, die ihn selbst dafür verantwortlich machen.

Derweil herrscht im Tempel in Jerusalem wildes Treiben: Geldwechsler und Händler, alles feilscht, krakeelt und versucht, sich mit guten Angeboten gegenseitig zu überbieten. Jesus traut seinen Augen nicht – und rastet aus. „Haut ab“ kreischt er. Keiner solle es wagen, ein Gotteshaus derart zu entweihen. Doch seine Wut verpufft und weicht grenzenloser Traurigkeit. Jesus weiß, dass seine Zeit bald um sein wird.

Derweil schlurfen Kranke und Sieche aus ihren Verstecken hervor, um von Jesus Heilung zu erflehen. Er versucht, allen gerecht zu werden, doch…

… es sind zu viele. Sie bedrängen ihn immer mehr. Jesus kann sich nicht mehr erwehren, hilflos schreit er sie an: „Heilt Euch selbst!“.

Gequält von Selbstvorwürfen bleibt Jesus alleine zurück. Doch wieder ist Maria Magdalena zur Stelle, um ihn zu trösten und ihm beizustehen. Jesus schläft ein. Maria aber kämpft mit ihren Gefühlen, die sie so gar nicht einordnen kann.

Was an Jesus ist so anders? Was zieht sie so an, warum kann sie nicht wie sonst ihre Gefühle kontrollieren? Sie gesteht sich ein, ihn zu lieben, zu brauchen – und zugleich zu fürchten.

Auch Judas wird von inneren Qualen gepeinigt. Er ist davon überzeugt, dass Jesus die Dinge mehr und mehr aus der Hand gleiten und alles ein böses Ende nehmen wird. Immer noch mit sich ringend macht er sich schließlich auf zu Kaiaphas…

… und verrät den Priestern, wo sie Jesus alleine antreffen können, um ihn festzunehmen. Im selben Moment bereut er seine Entscheidung. Aber zurücknehmen kann er den Verrat nicht mehr.

30 Silberlinge sind der Lohn…

..und Judas muss fortan mit seiner Schuld leben.

Es ist Abend geworden im Lande Judäa. Die Apostel sitzen mit Jesus beim Abendmahl, genießen den Wein und träumen davon, durch die Bücher, die sie über Jesus und die Zeit mit ihm schreiben werden, ewigen Ruhm zu erlangen. Judas wendet sich ab – er weiß, dass die Tage frohen Zusammenseins gezählt sind.

Während Jesus das Brot bricht, hadert er mit seinem Schicksal. Er bezweifelt, dass sich nach seinem Tod noch irgendjemand an ihn erinnern wird. Er kündigt an, dass Petrus ihn drei Mal verleugnen wird, was heftigen Protest auslöst. Als er auch den Verrat durch einen der Apostel vorhersagt, fällt Judas ihm wütend ins Wort: „Lass doch das Theater“. Jesus wisse doch sehr genau, wer derjenige sein würde.

Während Judas mit letzter Verzweiflung versucht, Jesus seine Gründe klarzumachen, wendet Jesus sich ab. Zu tief ist der Schmerz um den Verrat.

Die Apostel schlafen in trunkener Glückseligkeit schließlich einer nach dem anderen ein. Jesus fragt traurig, ob denn niemand mit ihm zusammen wach bleiben wolle. Zwei Mal spricht er Petrus, Jakob und Johannes namentlich an, aber auch diese drei haben offenbar den Ernst der Lage nicht verstanden und sind längst eingeschlafen.

Auch Judas kann die Folgen seines Verrats nicht überschauen. Nur Jesus weiß, dass das Ende – sein Ende – bevorsteht.

Er zieht sich in den Garten Gethsemane zurück, um mit Gott Zwiesprache zu halten.

Zunächst bittet er Gott, den „Kelch vorübergehen“ zu lassen.

Jesus betont, alles getan zu haben, was Gott von ihm verlangte. Und er fragt: „Was willst Du denn noch? Kein Mensch erträgt noch mehr.“

Doch Jesus weiß, dass er keine Wahl hat.

In höchster Verzweiflung bittet er lediglich, dass Gott ihm den Grund für all‘ das nennen möge. Ob sein Opfer sich lohnt? Auch darauf weiß Jesus keine Antwort. Und doch fügt er sich in sein Schicksal:

„Nun gut – ich geh!“ Jesus hat sich trotz seiner Todesangst dazu durchgerungen, Gottes Wille anzunehmen und zu vollenden, was vor drei Jahren begonnen wurde. Ihm wird klar, dass alles von Anfang an in Gottes Hand lag und er seinem Schicksal nicht entrinnen kann.

„Nimm mich jetzt, eh‘ mein Verstand sich wehrt“.

„Judas, verrätst Du mich mit einem Kuss?“ Bittere Traurigkeit spricht aus Jesus‘ Worten.

Jesus ergibt sich in sein Schicksal und lässt sich widerstandslos gefangennehmen.

Jetzt erst merken die immer noch schlaftrunkenen Apostel allmählich, was los ist. Petrus will Jesus verteidigen, doch Jesus hält ihn davon ab. Es hat keinen Sinn. Und ganz schnell kippt die Stimmung: Das Volk, das ihn am Tag zuvor noch hochleben ließ, fordert nun, ihn vor Gericht zu stellen.

Es ist gefährlich geworden, sich zu Jesus zu bekennen. Petrus (John Baldoz, rechts) leugnet, ihn zu kennen. Drei Mal – genau so, wie Jesus es prophezeit hat.

Währenddessen wird Jesus zu Pontius Pilatus gebracht.

Pontius Pilatus verhört Jesus, erhält jedoch keine zufriedenstellenden Antworten. Da Jesus aus Galiläa stammt, sei König Herodes für den Fall zuständig. Pilatus schickt Jesus also weiter- wohl auch in Erinnerung an seinen Alptraum.

An Herodes‘ Hof angekommen, sieht Jesus sich vom ersten Moment an dessen Hohn und Spott ausgesetzt.

„Du willst also göttlich sein? Dann mach doch aus Wasser Wein!“ tönt König Herodes (Rob Pelzer).

Seine Stimme trieft vor Sarkasmus, als er ein Wunder einfordert, als Beweis, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist.

Doch Jesus lässt sich nicht provozieren…

…was Herodes zutiefst erbost. Hasserfüllt schickt er ihn zurück zu Pontius Pilatus.

Unterdessen kann und will Maria Magdalena die Hoffnung nicht aufgeben, obwohl sie weiß, dass die Situation ausweglos ist.

„Lasst uns neu beginnen“ ist ihr größter Wunsch, dem sich auch die Apostel anschließen. Doch die Realität sieht anders aus.

Judas kommt mit seiner Schuld nicht klar.

Ich habe es nur gut gemeint, so beteuert er immer wieder.

Die Priester beschwichtigen ihn – er hätte zum Wohle des Landes gehandelt und würde dafür unvergessen bleiben. Außerdem wäre er für den kleinen Kuss fürstlich entlohnt worden. Doch das trifft Judas noch mehr.

Er weiß, dass alles von Gott vorherbestimmt war, aber begreift nicht, wieso ausgerechnet er für diese schmutzige Tat bestimmt wurde.

Er sieht keinen Ausweg.

„Du hast mich umgebracht“ schreit er aus tiefster Seele – und begeht Suizid.

Jesus ist mittlerweile von den Soldaten wieder zurück zu Pontius Pilatus gebracht worden.

Die Priester bedrängen Pontius Pilatus, Jesus zum Tod am Kreuz zu verurteilen. Auch das Volk hat sich endgültig gegen ihn gewandt. Lauthals fordern die Massen: „Kreuzige ihn!“.

Pontius Pilatus hält Jesus für unschuldig. Mehrmals fragt er den tobenden Mob, was genau Jesus eigentlich verbrochen haben soll. Der ein König? Nie und nimmer. Lediglich ein harmloser Spinner, der sich wichtig machen will. Doch die Menge ist außer Kontrolle, skandiert „es gibt nur einen Cäsar“. Pilatus weiß sehr wohl, dass der römische Kaiser als Herrscher der Besatzungsmacht im Lande Judäa alles andere als beliebt ist. Doch er muss versuchen, die Wogen zu glätten. Er hofft, dass er dem Volk gibt, was es verlangt, indem er Jesus auspeitschen lässt.

Die Folterknechte gehen in Stellung.

Eins, zwei, drei, vier, fünf…

… siebenunddreißig. Achtundreißig. Neunundreißig.

Wieder versucht Pontius Pilatus, Jesus Antworten auf seine Fragen zu entlocken, um ihn womöglich doch noch zu retten. Er versteht einfach nicht, wieso Jesus immer noch schweigt. „Dein Leben liegt in meiner Hand“, so beschwört er ihn.

Doch Jesus widerspricht: Gar nichts läge in seiner Hand, alles sei vorherbestimmt. Währenddessen skandiert das Volk erneut „kreuzige ihn.“

Dass Jesus seine Hilfe zurückweist, macht Pontius Pilatus zugleich wütend und hilflos. Der Mob wird immer lauter. Was soll nun werden?

„Stirb, wenn es sein muss“. Er jedoch wasche seine Hände in Unschuld. So ist das Urteil gesprochen und Jesu‘ Tod steht unmittelbar bevor. Man setzt ihm brutal die Dornenkrone auf, er muss das Kreuz schultern und unter dem Geschrei der Massen zum Hügel Golgatha tragen.

Während Jesus seinen letzten Weg antritt, stellt der tote Judas viele Fragen:

Wäre es besser gelaufen, wenn Jesus zu einer anderen Zeit, in einem anderen Land gekommen wäre?

Wer ist dieser Jesus denn nun wirklich, scheinen sich alle zu fragen, auch die Show-Girls (hier: Taryn Nelson di Capri), die plötzlich um Judas herum erscheinen.

„Jesus Christ – Superstar“

Und Judas fragt weiter: „Sag mal Deine Freunde sind doch sehr prominent. Welchen außer Dir hältst Du noch für kompetent?“ Doch die ersehnten Antworten bleiben aus.

Hammerschläge klingen durch die Nacht. „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Jesus ruft nach seiner Mutter. Todesqualen. Es ist da, das Ende. Ganz zum Schluss fasst er wieder Vertrauen zu Gott, seinem himmlischen Vater:

„Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Jesus stirbt.

Doch was prophezeit wurde, geschieht: Jesus steht von den Toten auf.

Maria Magdalena und die Apostel eilen herbei und blicken voll Staunen auf zu Jesus. So ist es denn wahr, und Jesus ist tatsächlich der Sohn Gottes?!?
Das Teilen des Links ist natürlich gerne erlaubt, wir freuen uns darüber.
Fotos unterliegen dem Urheberrecht. Es ist nicht gestattet, diese ohne vorherige Erlaubnis zu kopieren und zu verwenden (nein, auch dann nicht, wenn der Fotohinweis genannt wird). Wer unsere Fotos nutzen möchte, mailt uns gerne an redaktion@musicalspot.de.
hier entlang zur Rezension „Jesus Christ Superstar“ in Bad Hersfeld
Weitere Inhalte zu den Produktionen der Bad Hersfelder Festspiele hier auf einen Blick:
„O Captain! Mein Captain!“: Rezension „Der Club der toten Dichter (Schauspiel), August 2022
„In meinem Herzen welche Glut“: Rezension „Goethe!“, Juli 2022
Leinen los: Rezension „Titanic“, Juli 2017
Ein Muss: Rezension „Show Boat“, Juni 2013
Darstellerprofil Frank Winkels
Wem gefällt, was wir machen, schenkt der MusicalSpot-FB-Seite vielleicht ein „gefällt mir“? Vielen Dank.